Wozu braucht es einen Rede-Raum? Worüber könnten wir denn reden? Hier ein paar Einfälle zum Thema "Reden":

Erfahrungen eines Paarberaters ...

Manchmal muss ich schon ein wenig schmunzeln, wenn da zwei Menschen in der Eheberatung vor mir sitzen. Der eine Mensch ganz gesprächig - erzählt fast ohne Punkt und Komma, es fließt nur so.  Die andere Person ... schweigt.  Ist fast schon gelangweilt und beinahe genervt, wenn ich sie zum Reden animieren will...

Hand auf's Herz, wer von den beiden hier karikierten Menschen ist der Mann, wer die Frau? Klar:  der Volksmund sagt ja auch:

Ein Mann ein Wort,
eine Frau ein Wörterbuch

Natürlich ist das ein Klischee, und in der Arbeit als Paarberater sollte ich mir lieber auf die Zunge beißen, als irgendwelche Klischees zu bedienen. Nur, ganz aus der Luft gegriffen ist das tatsächlich nicht;  so ein bisschen ist ja auch dran an dem Klischee. Das hat übrigens eher mit Hirnphysiologie zu tun, als mit "Gender" (also irgendwelcher anerzogenen Rollenzuschreibung). Aber das ist eine andere Geschichte. Tatsächlich reden Frauen mehr als Männer. Und auch anders. Aber warum überhaupt reden?  Worüber denn? Erst recht in einem Rede-Raum?

Das sind Fragen, die durchaus legitim sind. Es lohnt sich, darüber nachzudenken. Hier also ein paar Gedanken dazu...

Warum reden?

Der Volksmund sagt auch:

Reden ist Silber,
Schweigen ist Gold.

Eine gerne zitiertes Wort, wenn es darum geht, einer ehrlichen, offenen Kommunikation aus dem Weg zu gehen. Nur stimmt es so eben nicht. Schweigen braucht Reden, Reden braucht Schweigen. Und manchmal ist reden Gold und schweigen Blech. Insbesondere dann, wenn es darum geht, Lebensprobleme oder partnerschaftliche Konflikte oder berufliche Herausforderungen zu bearbeiten und zu bewältigen. Denn ... die meisten Probleme lösen sich eben nicht von selbst (wie mancher Stau auf der Autobahn).

  • Reden hilft, ein Problem klarer zu bekommen.  Worum geht es eigentlich bei dem Streit, der Aufgabe, der Idee? Denken funktioniert über Sprache. Wenn wir etwas aussprechen, ist es durchdachter, als wenn wir es nur "fühlen", aber nicht benennen.

  • Reden hilft, mit dem Problem gehört zu werden. Gerade in der Paarberatung erlebe ich oft die Erwartung, der Partner müsse einen auch ohne Worte verstehen.  Falsch.  Auch langjährige Partnerschaften machen niemanden zum Gedankenleser.  Wollen Sie gehört werden, reden Sie!

  • Reden hilft, Lösungen zu finden. Ist ein Sachverhalt geklärt, können auch Lösungen formuliert werden. Und auch hier gilt: Denken geschieht über Sprache. Selbst Lösungen, die aus "dem Bauch heraus" kommen, müssen in Sprache übersetzt werden, soll daraus eine Handlung werden.

Natürlich gibt es Ausnahmen zu diesen Regeln.  Natürlich passiert nicht alles im Leben über das Reden mit Worten. Aber Reden kann ja auch verstanden werden als "zur Sprache bringen" - in Gesten, in Klängen, in Formen und Farben... auch das übrigens Thema hier!

 

Worüber reden?

Über alles darf und kann hier geredet werden. Über nichts muss.

Das heißt, wir erwarten keinen Seelen-Striptease - niemand muss sich nackicht machen, nicht einmal mit Worten.  Aber Sie dürfen zeigen, worauf Sie stolz sind, woran Sie leiden, Schuld und Scham sind den Beratern ebensowenig nicht fremd, wie Angst und Zweifel. Natürlich darf auch Freude und Dankbarkeit Ausdruck und Raum finden.

  • Manch einer hat Sorge, beim Reden von Gefühlen überwältigt zu werden und zu heulen. Egal!  Wir verfügen über genügend Taschentücher und kennen Tränen als wunderbares Reinigungsmittel für den das Innerste des Menschen. 

  • Manch einer hat Sorge, dass ihm nichts einfällt, über das er reden könnte oder dass die "richtigen" Worte fehlen. Wir helfen gerne Sprache und Worte zu finden. Auch hat sich in solchen Situationen bewährt, zunächst einfach nur Fakten zu berichten - vielleicht sogar ganz ungeordnet und bruchstückhaft ... Aber ein Anfang ist gemacht.

  • Manch einer hat Sorge, zuviel auszuplaudern. Vielleicht dürfen wir daran erinnern: wie Ärzte, Rechtsanwälte, Steuerberater stehen auch wir unter Schweigepflicht. Nur wenn Sie für sich selbst oder für andere zur Gefahr werden, wird diese gebrochen - oder wenn Sie Ihr Einverständnis geben.

In diesem Sinne --- reden Sie über alles, worüber Sie reden möchten. Nicht mehr - aber auch nicht weniger.

 

Weshalb hier reden?

Nein, wir wollen Sie ja nicht auf den Rede-Raum begrenzen! Ganz sicher nicht. Im Gegenteil ... letztlich ist das Ziel ja, außerhalb des Rede-Raums zu reden und das Leben zu bewältigen. Der Rede-Raum bietet allerdings Chancen, die Sie so vielleicht in Ihrer Umgebung nicht haben.

  • Der Rede-Raum ist ein geschützter Raum. Das meint nicht nur die Schweigepflicht aller, die hier arbeiten. Es heißt auch, Sie werden ernst genommen, nicht ausgelacht oder anderweitig beschämt für das, was Sie sagen.
  • Der Rede-Raum ist ein Übungs- und Lernlaboratorium. Manchmal müssen wir erst lernen, die passenden Worte zu finden. Das Schöne ist: das lässt sich üben! Auch dazu dient der Rede-Raum.

  • Der Rede-Raum ist ein Kreativitätszentrum. Wir arbeiten ja nicht nur mit Worten, sondern in etlichen Angeboten auch mit Klägen, Farben und Tönen, Bewegung und so vielen Möglichkeiten des Redens... Wenn Sie mögen und sich darauf einlassen wollen.

Neugierig? Dann melden Sie sich doch einfach mal an!  Entweder zum persönlichen Gespräch oder zu einer der verschiedenen Gruppenangebote.

 


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